Hundohneleine: Infos zum Hund


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Kurze Gedanken zum Hund und Wolf?!

Wir wissen wohl das der Hund vom Wolf abstammt, aber das heisst nun nicht, dass wir auch alle Verhaltensweisen der Wölfe auf unsere Hunde beziehen können. Man soll seinen Hund nicht vermenschlichen, aber wir sollten sie auch nicht verwolfen ...komisches Wort, aber passend.

Früher wurde einem immer eingetrichtert, behandle deinen Hund bloss nicht, wie ein Kind, verniedliche ihn nicht, sieh in ihm keinen Partnerersatz.
Ähmmm... bitte, mal ehrlich, die meisten Hunde werden in der Familie als vollwertige Familienmitglieder gehalten, sie sind Kinderersatz, sie sind Partnerersatz und sie sind für manche Menschen sogar der einzige Ansprechpartner. Ich denke da an die vielen älteren Menschen, die alleine leben und keinen Familienanschluss haben.

Sie lieben ihre Hunde, sie sprechen mit ihnen, sie verwöhnen sie und sie kümmern sich um sie. Und sie sind überzeugt, dass ihr Vierbeiner sie versteht. Sind diese deshalb vermenschlicht?
Auch die kinderlosen Paare oder Singles, die von ihrem Baby sprechen... schmunzel...dies soll absolut kein Vorwurf sein. Ich selber nenne meine Dobihündin oft Baby, aber ist sie deshalb vermenschlicht???

In meinen Augen nicht, solange wir sie zumindest versuchen artgerecht zu halten und zu behandeln. Ich kann doch mit meinem Hund sprechen, mit ihm schmusen und mit ihm albern, was bitte vermenschlicht da den Hund, wenn dies alles auf Hundeart passiert? Meine Hunde stehen trotzdem im Gehorsam, weil bei uns die Vertrauensbasis stimmt. Vielleicht nicht immer, klaro, aber ich wollte auch nie Maschinen sondern Lebewesen. Meine Hunde dürfen Stimmungen haben und diese auch zeigen, sie dürfen Abneigung gegen andere Hunde haben und auch zeigen, sie dürfen bellen und jaulen, wenn es was gibt, was ihnen nicht behagt. Ich denke trotz allem, dass meine Hunde darum noch lange nicht vermenschlicht sind, im Gegenteil ...bei mir dürfen sie Hund sein, soweit es geht in unserer Welt und in dieser leben sie ja nunmal.

Socke und Goofy

Ich weiss und ich rechne mit bitterbösen Kommentaren der Hundefreunde, die voll und ganz auf den Wolf eingeschossen sind, aber vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, wieviele Jahre "Mensch" zwischen Hund und Wolf liegen. Vieles Verhaltensmuster sind abhanden gekommen, zum Teil durch die Zucht und zum Teil durch die Aufzucht.

Wie soll ein Hund mit zotteligem Fell sein Fell aufstellen, wie soll ein Hund ohne Rute wedeln oder diese einklemmen, wie soll ein Hund ein artgerechtes Verhalten zeigen, wenn er nur mit Menschen zusammenlebt und nie die Möglichkeit hat, mit anderen Hunden zusammen zu treffen... ??? Wir wundern uns, wenn der super selbstsichere Hund, der er laut Zuchtbestimmung sein soll, die Rute einkneift und den Schutzdiensthelfer für gefährlich hält, wir wundern uns, dass der kleine Zwergpinscher so aggressiv auf seine Artgenossen reagiert, wenn er auf Frauchens Arm hockt?!?!

Sicher ist es richtig, sich mit der wölfischen Verhaltensart zu beschäftigen, sich die Hierarchie und das Zusammenleben bei Wölfen näher zubringen, ihre Ausdrucksweise lernen. Aber wir sollten auch bedenken, dass es entscheidene Unterschiede zwischen dem Wolf und unserem Haushund gibt.

Würde ein Wolfswelpe seine Umgebung erkunden und auf ein fremdes Rudel treffen, gäbe es keinen Welpenschutz und er würde das Zusammentreffen nicht überleben. Denn den berühmten Welpenschutz besteht nur im eigenen Rudel. Aber ein Wolfswelpe würde auch nicht spazieren gehen, seine Umgebung erkundet er nur unter der Aufsicht seines Rudels. Hmmmmm... und unser Welpe? Der erkundet seine Umgebung auch unter der Aufsicht seines Rudels. Und dies sind wir! Denn Du und Dein Hund bilden schon ein kleines Rudel. (jaja ich weiss schon... lautlach, das nun viele sagen werden: es gibt keine Mensch- Hund- Rudel, es gibt nur artgeschlechtliche Rudel, ich nenne die Mensch- Hund- Verbindung trotzdem Rudel in diesem Fall)
Und nicht jeder uns entgegenkommende Vierbeiner ist freundlich gegenüber Welpen gesonnen, also liegt es an uns unseren Welpen vor der Gefahr zu schützen. Dies ist kein Vermenschlichen!
Das heisst nun bitte nicht, dass wir unseren Welpen nicht mit anderen Hunden zusammen bringen sollen. Im Gegenteil, dies ist sogar sehr wichtig.

Aber es heisst auch nicht, dass wir unsere Hunde alles unter sich ausmachen lassen, denn sie sind kein festes Rudel, sondern wir treffen jeden Tag auf neue Rudel. Denn ein Hund geht selten alleine spazieren und wenn er mit seinem Menschen unterwegs ist, ist er auch in seinem Rudel unterwegs.

Das ich damit nicht falsch liege, haben mir meine drei Hunde bewiesen, denn als der Dritte als Welpe zu uns kam, wurde er draussen direkt geschützt und abgeschirmt gegen fremde andere Hunde. Meine Hündin wurde zur Furie, wenn der Kleine Unsicherheit zeigte, er wurde angestupst und aufgefordert mitzulaufen, er wurde bewacht wenn er irgendwo ein kleines Stück entfernt schnüffeln wollte und es wurde Hektik verbreitet, wenn er zurückblieb und ich einfach weiter ging: Halloooo warten, einer unseres Rudels fehlt und der Kleine muss doch beschützt werden.

Es entwickeln sich Freund- und Feindschaften, dies sollte man erkennen und akzeptieren. So wie ich nicht jeden Menschen mag, so mag mein Hund vielleicht auch nicht jeden Hund und er muss auch nicht mit ihnen spielen, wenn er nicht will. Aber er kann lernen, dass ich als Rudelführer unseres Rudels sein drohendes Verhalten nicht akzeptiere und er sich neutral verhalten soll, wenn wir an anderen Hunde vorbeikommen.

Wir können viel beim Wolf lernen, wie wir unserem Hund etwas vermitteln können, wie wir ihn artgerecht strafen und loben oder auch über die Ausdrucksweisen unseres Hundes. Aber wir können meiner Meinung nach nicht Hund = Wolf setzen.

Nun hoffe ich hierdurch manche zum Nachdenken zu bewegen, ein guter Mittelweg ist sicher im Interesse unserer Hunde und in unserem Interesse. Ein bisschen mehr Toleranz unter den Hundefachmenschen wäre sicher nicht verkehrt. Es heisst nicht, wenn jemand seinen Hund mit auf die Couch lässt, dass dieser Hund damit auch gleich die Rudelführerposition errungen hat. Breitgrins...wir stammen ja auch von den Affen ab, aber laufen wir deshalb auf allen vieren???
Nicht das dies hier wer falsch versteht, auch ich bin Wolfsfan, aber ich bin eben der Meinung, dass es doch Unterschiede gibt. Man kann sie weder auf eine Stufe stellen, noch kann man sie ganz voreinander trennen, meiner Meinung nach.


Nachtrag: mittlerweile hat sich ja immer mehr durchgesetzt, dass man Hund und Wolf nicht mehr 1:1 vergleicht, dabei wird nun leider wieder das andere Extrem eingeschlagen und von manchen erklärt, man solle die Beiden noch nicht mal in einem Satz nennen. Ach herrjee, warum immer gleich alles so extrem?